KI-Hype oder „Slop“-Überdruss? Von KI-Vegetariern bis zu religiösen Skeptikern: Erfahre, warum immer mehr Menschen bewusst auf generative Tools verzichten.

Illustration: Der Autor, nicht Stable Diffusion, war für die Erstellung verantwortlich.
In einer Welt, in der uns „Slop“, jener minderwertige, KI-generierte Inhaltsmüll, an jeder Ecke begegnet, fällt es immer schwerer, die eigene Ablehnung in Worte zu fassen. Ob im Browser, im E-Mail-Postfach oder sogar auf physischen Deko-Artikeln: Die generative KI ist überall. Doch während das Silicon Valley den „digitalen Rausch“ feiert, formiert sich ein sprachmächtiger Widerstand.
Ein aktueller Artikel von Liam Proven auf The Register räumt mit dem Vorurteil auf, dass KI-Skeptiker einfach nur technikfeindlich seien. Vielmehr zeigt er ein Spektrum an Haltungen auf, vom moderaten „KI-Vegetarier“ bis zum stolzen „KI-Hasser“.
Der Software-Entwickler Sean Boots hat den Begriff des „generativen KI-Vegetarismus“ geprägt. Er vertritt eine moderate, aber klare Position. Er möchte nicht missionieren, zieht für sich selbst aber eine Grenze:
„Ich möchte meine eigenen E-Mails schreiben. Ich möchte meinen eigenen (mittelmässigen) Softwarecode schreiben. Ich möchte mit anderen Menschen lernen, denken und grübeln, nicht mit einem Textvorhersagesystem, das durch den Konsum des gesamten Internets entstanden ist.“
Sean Boots
Boots betont, dass er kein „KI-Veganer“ sei, in seinem Job hilft er durchaus dabei, Regierungsdaten mithilfe von KI zugänglicher zu machen. Aber für den kreativen und kognitiven Eigengebrauch verzichtet er dankend.
Jenny Zhang geht in ihrem Text „Choosing Friction“ (Reibung wählen) einen Schritt weiter. Sie kritisiert das zentrale Versprechen der KI – die Beseitigung jeglicher Anstrengung:
„Das Versprechen der KI ist, dass sie Reibung entfernt... In ihrer idealen Welt muss man über nichts mehr nachdenken, weil eine KI das Denken für einen übernimmt. [...] Ich mag das Denken und finde, Menschen sollten mehr davon tun. Je weniger wir es tun, desto mehr verkümmern unsere Denkmuskeln.“
Jenny Zhang
Für Zhang ist diese Entwicklung besonders gefährlich, da sie Menschen leichter kontrollierbar mache; ein Traum für Autoritäre, ein Albtraum für die freie Gesellschaft.
Der stolze KI-Hasser
Wem „Vegetarismus“ zu höflich klingt, der findet sich vielleicht in der Position von Anthony Moser wieder. Er bricht mit der gesellschaftlichen Erwartung, KI-Kritik immer mit einem beschwichtigenden Disclaimer („Natürlich ist die Technik an sich toll, aber...“) zu versehen.
„Ich bin ein Hasser, was eine Form von Integrität ist. Es bedeutet, dass ich bereit bin, jedem zu widersprechen, selbst wenn es unhöflich ist. “Aber ich benutze es nur für …”, “Eigentlich, wenn du nur …”, “Die neuen Modelle …” Stopp. Du blamierst dich selbst. Ich schäme mich für dich.“
Anthony Moser
Besonders beeindruckend ist das Manifest von Catherine Sawers. Sie schlägt vor, die Ablehnung von KI wie eine religiöse Überzeugung zu behandeln, um sich gegen den massiven Druck der Tech-Industrie zu wehren. Ihre Begründung ist ein Rundumschlag gegen die ethischen Mängel der Branche:
„Ich habe eine religiöse Ausnahme von der Nutzung aller generativen 'KI'. Ich bin kein Mitglied der Silicon-Valley-Sekte. Ihre Überzeugungen und Praktiken sind ein Affront gegen meine Sensibilität. Die Technik wurde mit gestohlenem geistigem Eigentum trainiert. [...] Ich bin nicht verpflichtet, 'KI' zu nutzen, genauso wenig wie ich verpflichtet bin, Amway beizutreten, Nashorn-Hörner auf dem Schwarzmarkt zu kaufen oder das Fyre Festival zu besuchen.“
Catherine Sawers
Sawers sieht es als ihre Pflicht als Mensch, Wissenschaftlerin und Steuerzahlerin an, sich gegen den „digitalen Rapture“ und die „intellektuelle Armut“ zu stellen.

Ob man nun moderat auf KI-generierte Texte verzichtet oder das gesamte System als ethischen Offenbarungseid ablehnt: Der Artikel von The Register macht deutlich, dass Skepsis kein Zeichen von Rückständigkeit ist. Es ist ein Akt der Selbstbehauptung gegenüber einer Technologie, die oft mehr verspricht, als sie halten kann und die uns dabei droht, das Wichtigste abzunehmen: die Reibung, an der wir wachsen.
Quelle: „Struggling to put your AI aversion into words? Here's a handy glossary“ von Liam Proven, veröffentlicht am 19. März 2026 auf The Register.